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Ba Gua in München – Tai Ji in München – Qi Gong in München

Push Hands

Vermutlich entstanden aus den 12 WuDang Handtechniken oder Handwaffen, einer Serie von äußerst fein aufeinander abgestimmten und aufgebauten Partnerkampftechniken der inneren WuDang Schule, stellt Push Hands eine äußerst verfeinerte und abstrahierte „sanfte“ Trainingsmethode dar, ein absoluter Höhepunkt der Entwicklung im gesamten Bereich von Kampfkunst und realer Selbstverteidigung, aber auch im Bereich (Selbst)Heilung, Bewußtseinsentwicklung und Energiearbeit.

Push Hands trainiert und bereitet unser gesamtes Körper-Sinnes-Geist-System geradezu perfekt für Auseinandersetzungen auf körperlicher, emotionaler, wie auch mentaler Ebene vor.

Es ist „sanft“ in dem Sinne, daß es auf tatsächliche Schläge und Tritte komplett verzichtet. Hände und Arme der Trainingspartner bleiben in dauerndem, aber veränderlichem Kontakt. Wir folgen dem Prinzip „erst verstehen, dann agieren“. Wir entwickeln unsere grundlegende in alle Richtungen stabile und schützende „Optimalspannung“ (chinesisch. Peng), lassen unseren Schwerpunkt stets gesunken (Sung) und „hören“ die Energie unseres Partners, seine Spannungszustände und deren Veränderungen, die Bewegungsimpulse, die erst noch zu tatsächlichen Bewegungen werden wollen, fühlen und verstehen sie, ihre Richtung, Kraft, Geschwindigkeit durch unseren Körper spontan im Augenblick, nehmen sie auf, leiten sie elastisch durch unsere stabile Struktur in die Erde und geben ihm zurück, was angemessen erscheint. Dabei gehen wir im Idealfall vollkommen mit der Energie und ihren dauernden, manchmal blitzschnellen Veränderungen, möglichst nie gegen sie. Denn dies würde Kraftverschwendung und damit Kraftverlust bedeuten. Wir bleiben so entspannt und gesunken wie irgend möglich und lernen auf direkteste Art in unseren Körpern, wann es sinnvoll ist aktiv zu sein (in den eher offensiven Bewegungen) und wann es dann wieder am besten ist passiv zu sein (in den eher aufnehmenden defensiven Phasen), nur zu folgen und sich bewegen zu lassen.

Dazu geht jede unserer Bewegung von unserem Zentrum aus und ist in jedem Moment auf das Zentrum unseres Partners gerichtet, so daß es in Push Hands keinerlei überflüssige Bewegungen gibt und wir in jedem Moment körperlich, energetisch und geistig absolut einsgerichtet und fokussiert sind.

Push Hands ist keine Übung gegeneinander, sondern miteinander. Beide Partner setzen idealerweise genau so viel Energie ein, wie es beiden am meisten hilft die Prinzipien, ihre Stuktur, ihr Verständnis und ihre Fähigkeiten optimal zu entwickeln. So helfen sich beide gegenseitig um beständig sowohl stärker und stärker, als auch sensibler und sensibler zu werden, denn Stärke ohne Sensibilität ist genauso unausgewogen wie Sensibilität ohne Stärke.

Push Hands kann sowohl tief entspannend, als auch ungemein aktivierend sein zum Teil abhängig von der persönlichen Ausrichtung der Übenden. Wenn Push Hands optimal geübt werden, sind aber stets beide Wirkungen vorhanden. Denn die Tatsache, daß wir stets größtmöglich Entspannung anstreben, heißt nicht, daß wir unsere Muskeln nicht benutzen. Dazu eine ganze Reihe Muskeln, von deren Existenz wir bevor wir mit Push Hands begonnen haben, noch nicht einmal wußten. Wir lernen vielmehr einerseits genau die Muskeln in genau dem Maße zu verwenden, welche wir in diesem Maße für eine bestimmte Bewegung benötigen. Alle anderen dürfen entspannen. Daher können wir von Optimalspannung und Optimalaktivierung sprechen. Spannenderweise lösen sich auf diese Weise mit schöner Regelmäßigkeit bei Push Hands Praktizierenden chronische Muskelverspannungen, weil der Körper meist ganz bald begreift, daß es schlicht keinen Sinn macht sie aufrecht zu erhalten.

Auf der anderen Seite ist Push Hands einer der besten sensiblen Allroundworkouts, die man sich denken kann.

Da sich das, was wir bei Push Hands lernen können eins zu eins auf unseren gesamten Alltag übertragen lassen, entwickeln wir durch push Hands nicht nur ohne Verletzungsgefahr die nötigen Muskeln, die Körperstruktur und Körpermechanik, inneres und äußeres Timing, Gleichgewicht, Zentrierung und Verwurzelung, aber auch die nötige Gesunkenheit, die nötige entspannte Grundspannung, die Dynamik, das Energiepotential, die Ausrichtung, periphere Rundumwahrnehmung, Konzentration, Fokussierung und nicht zuletzt die Sensibilität, welche die Voraussetzung für jede Form von wirklicher Kampfkunst darstellen, sondern auch viele Fähigkeiten die für die Bewältigung des Alltags und der Verwirklichung unseres eigentlichen Potentials so nötig scheinen.

Wir können unter anderem lernen, unsere Kraft effektiver und entspannter einzusetzen. Wir werden stärker, energiegeladener, intuitiver, sensibler, aufmerksamer, konzentrierter, fokussierter und zielorientierter, ganz einfach, weil wir lernen, unser System immer besser präzise so zu verwenden, wie es einmal konstruiert wurde und eigentlich verwendet werden sollte.

Push Hands wie wir es üben

Viele Schulen die Push Hands unterrichten, unterrichten Formen, die sehr schematisch und statisch sind, mit relativ weitem Stand als Hilfe zur Stabilität arbeiten, die Kraft aus dem hinteren Bein beziehen, aber außer vielleicht einem guten Training für die Beine und etwas Körperausrichtung und Sensibilitätstraining nicht fürchterlich viel bringen. Da es relativ leicht ist auf eine Krafteinwirkung von vorne einigermaßen stabil zu sein, wenn ich ein Bein weit nach hinten stelle, um den Druck aufzunehmen, tendiert der Übende dazu sich darauf zu verlassen, statt seine Hüfte zum Einsatz zu bringen und eine wirklich Körperstruktur zu entwickeln, die stabil, elastisch und beweglich zugleich ist. Außerdem ist es aus dieser Haltung heraus fast unmöglich sich schnell zu deplazieren, das heißt bei Bedarf Schritte zu machen.

Denn einerseits lerne ich nichts, wenn ich es mir gar zu leicht mache, andererseits besteht die Essenz jeder inneren Kampfkunst, aber auch jeder zentrierten Bewegung und jeder authentischen Bewegungsschule darin, die Hüfte zum Einsatz zu bringen und sich aus dem Körperschwerpunkt zu bewegen. Jede Bewegung, selbst jeder Reflex sollte in der Hüfte beginnen.

Daher stehen wir entspannt und natürlich, nicht besonders tief und eher parallell vor unserem Partner. Wir verzichten auf die Absicherung eines „langen hinteren Beins“ und müssen daher auf eine Krafteinwirkung auf unser Zentrum mit Ausweichen und Hüftdrehung reagieren, um nicht umgestoßen zu werden. Wir machen es uns also bewußt etwas schwerer am Anfang um von Beginn an, die richtigen Angewohnheiten zu trainieren und tatsächlich zu lernen uns in jeder Situation angemessen und dynamisch reagieren zu können.

Wir unterrichten prinzipiell Single PushHands (einhändiges PushHands) und Double PushHands (Zweihändiges PushHands) in verschiedenen Variationen.

Single PushHands ist eher eine Grundübung in Körperstruktur, der grundsätzlichen Bewegungsdynamik, Sensibilität, Timing, Balance, Spannungswechsel und allgemeinem Verständnis der Abläufe und dennoch auch nach Jahren Praktik immer noch wichtig und gewinnbringend.

Double PushHands ist technisch etwas aufwendiger und schult die Körperkoordination und die Sensibilität auf höherem Niveau. Wo Single PushHands mit zwei Techniken auskommt, Peng (ward off, ableiten) und An (push, schieben), so sind es beim zweihändigen PushHands vier, Peng, Lü (pull, ziehen), An, Ji (squeeze, (aus)pressen). Außer den oben aufgeführten positiven Effekten können aus diesen vier Techniken im Prinzip alle Kampfkunsttechniken und -bewegungen abgeleitet werden.

Variationen und Ergänzungen von PushHands

Es exisitieren einige Variationen sowohl von Single als auch von Double PushHands. Beim Single gibt es verschiedene Möglichkeiten der Handstellungen, wobei wir hauptsächlich die sogenannte Mutterhand trainieren, weil hier der grundlegende Wechsel zwischen Yinspannung oder -ausrichtung in der empfangenden, defensiven Phase der Bewegung und der Yangspannung in der offensiven Phase am deutlichsten wird. Daneben üben wir pulling hands, pushing feet und andere ergänzende Übungen.

Double Push Hands kennt weniger grundsätzliche Variationen in den Handstellungen, dafür existieren einige zusätzliche Möglichkeiten beim speziellen Ausführen der Techniken. Eine recht wichtige Variation ist das Peng-Hinge Push Hands (von englisch hinge: Türangel, Scharnier) mit seinem dynamischen, dafür nicht so filigranen Grundcharakter.

Sowohl Single als auch Double PushHands kann weiterhin durch Schritte ergänzt und schwieriger gestaltet werden und vor allem Double PushHands später durch Einführen von zusätzlichen Handtechniken vielfältiger gestaltet werden.

Eine Sonderform der Zweihändigen Version ist Da Lü (großes Ziehen), das durch Schritte die frontale Gegenüberstellung der Partner auflöst, wobei die Grundtechniken peng, lü, an, ji ausgeführt werden, während beide sich umeinander bewegen.

Letztlich sollten noch die klebenden Hände, Sticking Hands (Chi Sao) nicht unerwähnt bleiben. Hier üben die Partner ebenfalls zu Beginn mit den Händen in Kontakt zunächst in geregelter Abfolge später zunehmend frei in entspannter Weise lockere Angriffe auf den Partner zu starten, indem der Angreifer versucht dabei seine Hand von der des Partners zu lösen, während der Verteidiger seinerseits versucht an der Hand des Angreifers zu „kleben“ und diese abzuleiten und eventuell seinerseits darauf eine angreifende Bewegung in Richtung des Körpers seines Partners zu unternehmen. Wir lernen hier unter anderem, keine Angst vor Bewegungen auf uns zu zu haben, entspannte und angemessens Reflexe zu entwickeln, sowie simultan anzugreifen und zu verteidigen. Da dies alles aber auch aus PushHands entwickelt werden kann und wir dort die Komponente der Entwicklung der Körperstruktur zusätzlich noch stärker haben sehen wir die Übung von PushHands insgesamt als zentraler an.