XingWuDao BaGuaZhang

 

 

 

 

 

 

 

Ba Gua in München – Tai Ji in München – Qi Gong in München

WuWei und der Wahre Mensch

Das höchste Ideal menschlichen Handelns im Daoismus ist nicht irgendein menschlich-moralisches Gebot, oder die Nachahmung eines auf eine personifizierte Gottheit projiziertes Idealverhalten, sondern schlicht und geradezu ergreifend einfach die innere Öffnung des Menschen für das DAO selbst. Denn die Daoistischen Weisen erkannten die universelle Wahrheit, daß kein Mensch etwas neues lernen muß, um sich im Einklang mit seiner Natur und im Einklang mit der Welt zu verhalten.

Er muß sich erinnern.

Daran erinnern, daß unsere Natur, wie die Natur der Welt im Ursprung nicht verschieden ist vom DAO selbst. Vielmehr drückt sich das universelle DAO auf individuell strahlende Weise in jedem Phänomen und jedem Einzelwesen aus. Jener individuelle Aspekt des allumfassenden DAO wird DE genannt und ist genauso schwierig bis unmöglich zu übersetzen, wie DAO selbst.

Wenn wir nur unsere fixierten und begrenzenden Vorstellungen von uns selbst, unsere falschen Identifikationen und Sonderwillen fahren lassen und unserer durch Prägungen und Konditionierungen erworbene Persönlichkeit erlauben einen Schritt beiseite zu treten, wird unsere wahre Natur, wird das DAO durch uns hindurch scheinen und auf natürliche Weise in unseren Ausdruck fließen und zu unserem Ausdruck werden.

Wir müssen dazu nichts besonderes tun, sondern eher weniger tun und mehr lassen und nicht versuchen, etwas besonderes zu sein. Wir müssen aufhören unser Herz gegen uns selbst zu verteidigen, gegen das zu verteidigen, was wir in höchster Wahrheit sind.

Dieses Ideal wird WuWei genannt, was soviel wie „Nicht-Handeln“, „Nicht-Einmischen“ oder „Nicht-Erzwingen“ heißt.

WuWei ist indes kein unbewußt passives Verhalten, kein dumpfes sich treiben lassen, sondern verlangt eine sehr reine und unverfälschte, bewußte Ausrichtung darauf, den wahrhaftigen Bedarf jeden Moments in allen seinen Faktoren und Aspekten mehr und mehr, tiefer und tiefer zu hören, zu spüren, zu sehen, ja selbst zu riechen und zu schmecken und spontan darauf reagierend gleichsam in „völlig geöffneter Kreativität“ im Einklang mit dem DAO, mit Sein und Nicht-Sein, mit Himmel und Erde (mit dem Nicht-Lokalen, wie dem Lokalen) authentisch zu handeln.

Auf diese Art werde ich selbst zum Ausdruck und Agenten des DAO, verwirkliche bewußt meine tiefste Bestimmung und verhelfe den Phänomenen und Wesen um mich zur Verwirklichung der ihren. Denn im dauernden Fließen, Strömen und (sich) Verwandeln der ewigen und ununterbrochenen Schöpfung ist die wahre höhere Ordnung der Welt verborgen. Die Dinge streben aber ihrer Natur nach der Ordnung zu. Folge nur ich dem Fluß, bringe ich alles um mich gleichfalls zum Fließen und damit zur Entfaltung und Verwirklichung.

Versuche ich mich durch falsche Wahrnehmung, falsche Entscheidung, falsche Identifikationen dem natürlichen Fluß entgegenzustellen, verschwende ich im besten Falle nur meine Kraft, im schlimmsten erschöpfe ich mich, erzeuge Dissonanzen im energetischen Umfeld und in der Folge Spannung, Schmerz, Leid, Konflikte, Streitigkeiten, Verwirrungen und Krankheiten.

Natürlich sind auch diese Möglichkeiten...nun, ebendies: möglich... und somit Teil des immerwährend Fließen des DAO, doch für den Weisen und den verfeinerten Geist sind sie eben zwar möglich aber letztlich zumindest zuhöchst überflüssig und unnötig. Denn nur das Grobe muß durchs Feuer gehen.

In den Wandlungen der Phänomene verwirklicht jedes Ding und Wesen spontan seinen eigenen „Weg“, sein eigenes Dao. So auch der Weise: Er tut nur da, wo es seinem eigenen Fluß, seinem eigenen Strömen entspricht. Wo sein Strömen still wird hält er inne. Was er für sich tut, verrichtet er für die Welt. Und was er für die Welt tut, verrichtet er für sich.

Zugegeben: Wer sich gegen den Lauf der Dinge stemmt, vergrößert seinen Willen und seine persönliche Kraft. Jedoch: Wer wäre mächtige als der, dem die Kraft des Universums zu eigen ist, weil das DAO durch ihn strömt, weil er eins mit dem DAO ist?

 

Daher: Wer WuWei in der Tiefe verstanden und verwirklicht hat, wird zum wahren Menschen, zum ZhenRen, zu einem, der vollkommen in, doch nicht von der Welt ist. Einer, der seine Mitte wahrt, dem wahren Bedarf folgt, seine Natur kennt, mit dem DAO fließt und es fortwährend durch jede seiner Lebensäußerungen in den Ausdruck bringt.

Es wird gesagt, seine Natur sei dreifältig:

Als wahrer Krieger hält er selbst die gewaltigsten Strömungen und Turbulenzen der Welt entspannt aus, wahrt seine Mitte, antwortet auf den Bedarf und handelt und reagiert stets der Situation angemessen.

Als wahrer Heiler, erkennt er die Keime, die zu Konflikten führen könnten, erkennt die Pole und Polaritäten, die verschiedenen Erscheinungsformen von Energie, wahrt seine Mitte, antwortet auf den Bedarf und gleicht aus, was verschieden erscheint, wahrt die höhere Balance.

Als wahrer Weiser ist er unverbrüchlich verbunden mit der (nicht-lokalen) Quelle des DAO, des Heiligen, hat ein Ohr an der Quelle und eines in der Welt, ein Bein im Möglichen, eines im Wirklichen, wahrt seine Mitte, antwortet auf den Bedarf und niemand versteht ganz, was seine Natur und sein Wirken in Wahrheit ausmacht.